Hochwasser-Einsätze Von den Anfängen bis 1953
Wassereinsätze
Unser Heimatdorf Heuchlingen wurde ganz bewußt hier im Leintal gegründet: Bot doch die Lein eine ortsnahe Möglichkeit zur Viehtränke, zum Waschen der Kleidung und zum Fischfang.
In einer Beschreibung von 1854 heißt es:
„Die Lein ist ein munteres Flüßchen und fließt vielgekrümmt durch ein still anmutendes tiefes Tal."
An diese beschriebene Krümmungen können sich die älteren Feuerwehrkameraden sicherlich noch gut erinnern:
Zum Beispiel an das "Altwasser".Dieser eingegangene, ursprüngliche Flußlauf der Lein, verlandete, nachdem zum Betreiben der Mühle, ein Wehr mit einer direkten Zuleitung zur Mühle gebaut wurde. Oder
an die "Au". Ein Wiesengrundstück, welches ringsum vom Katzenbach umgeben war. Auf dieser Insel befand sich der „Alte Sportplatz". Die Lein krümmte sich durch die "Osterwiesen" bis hin zur
"Rutschel". Sandstein: großer Sandsteinfelsen, welcher mitten aus der Lein hervorragte. Er diente den Badenden als Ruhe- und Sonnenplatz. Die Lein gehört zu uns Heuchlingern. Sie war schon immer
Anziehungs- und Treffpunkt: zum Baden, zum Kanu- oder Floßfahren, zum Fischen, für die Kinder zum Spielen und für die Erwachsenen ein Ort der Ruhe und Entspannung. Sie hat vielseitige Beziehungen zu
uns Heuchlinger Bürgern. Und nicht zuletzt ist sie für die Feuerwehr eine wichtige, unerschöpfliche Wasserentnahmestelle. Das Bild von der friedlichen und stillen Lein ist trügerisch. In vielen
Heuchlinger Familien hat sie Trauer und Verzweiflung gebracht. Genauso zahm und romantisch wie sie scheint, genauso grausam und tückisch ist sie. Schon immer traten bei der Schneeschmelze und nach
ergiebigen Regenfällen Überschwemmungen auf, die nicht selten große Schäden verursachten und die angebauten Futtermittel verdarben oder wegschwemmten. Die Überschwemmungen traten mehrfach jährlich
auf. Die frühere Bebauung war auf die wiederkehrenden Hochwasser angepaßt. die Häuser, die im überschwemmungsgefährdeten Bereich gebaut wurden, waren ohne Unterkellerung errichtet. Der Keller wurde
meist im gegenüberliegenden Berg eingebaut. So zum Beispiel in der Vorstadt und in der Küferstraße. In der Regel besitzen diese älteren Häuser einen Vorder- und einen Hintereingang. Bei einer
Überschwemmung kann das Wasser ungehindert, ohne größeren Schaden anzurichten, durchs Haus fließen. Die dreckigen Fluten können diese, auf Hochwasserschutz angelegten Häusern, nicht viel anhaben. Die
Feuerwehrmänner kennen diese Häuser. Bei einem Hochwassereinsatz gibt´s hier in der Regel für die Feuerwehr nicht viel zu tun, während Neubauten mit Unterkellerung Einsatzmaßnahme erfordern. Auch an
der Gelassenheit und coolen Einstellung der Hausbewohner können, bei einem Schadenseintritt, schnell die Unterschiede von Neubürgern und den alten Heuchlingern festgestellt werden. Durch die
eingeleiteten und durchgeführten Hochwasserschutzmaßnahmen, Leinbegradigung und den Bau der Rückhaltebecken, war eine Bebauung der Leinaue möglich. Überflutungen in der damaligen Zeit entstanden
nicht nur allein von der Lein, sondern verstärkt auch durch die zahlreichen Bächen, die „offen" im Dorfgebiet in die Lein mündeten.
DieUrkarte von 1830 zeigt dies deutlich.
Das Freskogemälde in der Kirche gibt einen eindeutigen Hinweis auf den Kampf der Heuchlinger Bürger gegen das Wasser: Wassernot und die Hilfe Mariens durch das Skapulier. In der Nähe des Laubacher
Schloßes an der Lein spielt sich diese Szene ab. Ein Kind ist dort in die Fluten der Lein geraten. In dieser Lebensgefahr streckt es hilfesuchend sein Händchen aus, nach seiner am anderen Ufer
wartenden und bangenden Mutter. Diese streckt ihrem gefährdeten Kind helfend die eine Hand entgegen. Mit der anderen Hand aber weist sie ihr Kind nach oben und ermutigt es zum Vertrauen auf die Hilfe
der Gottesmutter durch das Skapulier. Das Kind hält in der Hand vertrauensvoll das Skapulier der Gottesmutter, welche helfend und schützend das gefährdete Kind umschwebt.
Ganz sicher wurde die Feuerwehr in früheren Jahren bei Hochwasser zur Rettung von Personen und Sachwerten herangezogen. Leider aber sind die Papportbücher und Niederschriften vor 1933 nicht mehr
aufzufinden. Wir haben versucht, die bedeuternsten Hochwasserereignisse zusammen zu tragen.
Oberamtsbeschreibung von 1854
Heuchlingen, ein Pfarrerdorf liegt 2 ½ Stunden von Aalen, im Thale der Lein. Weil diese aber - zweimal im Frühjahr - sehr häufig das ganze Thal überschwemmt, so sind die meisten Häuser, auf beiden Ufern , durchaus unregelmäßig an den aufsteigenden Thalwänden erbaut, ziemlich weit auseinander, auf erhöhten Punkten, ohne ordentliche Gassen zu bilden.
1660
Um 1660 wird in einer Niederschrift vermerkt: „Der Austritt der Lein war ein fast jährliches Übel."
30.05.1777
War eine große Überschwemmung, obwohl es in Heuchlingen nicht geregnet hatte, so daß die Bauern erst um Mitternacht das Vieh mit „großer Mühe von der Weide
heimbringen konnten".
1828
1828/1829 ein langer, strenger Winter. Im Februar sank das Thermometer auf Minus 27 Grad. Es litten Menschen und Tiere. Das Eis der Lein war 50-60 cm dick.
23./24.11.1890
Infolge mehrtägigen Regens überflutete die Lein die ganze Talsohle. Das Wasser dringt in den Gottesacker ein. (Der neue Friedhof wurde angelegt.)
1896
Im Mai und Juni schwere Gewitter mit Hagel. Dazu gewaltige Überschwemmungen. Schon im Oktober der erste Schnee.
1897
Mai/Juni/Juli viel Regen, heftige Gewitter und Überschwemmungen. Heftige Gewitter in den nördlichen Kreisen. Die Schäden durch Überschwemmungen und Blitzschlag betrugen
in den betroffenen Kreisen 18 Millionen Mark.
1899
Schwere Gewitter mit Überschwemmungen.
1900
Wegen der regelmäßigen Überschwemmungen gab es früher keine Straßen im Leintal. Erst im Jahre 1900 - 1901 wurde die Straße nach Leinzell gebaut. Oberhalb vom Schloss und
Reutewald. führte ein Hochwasserweg, nach Laubach.
1914
Großes Hochwasser
1922
1911 wurde eine Wasserleitung gebaut und eine „Wasserleitungsgesellschaft „gegründet. 1922 Bau einer Pumpstation im Tal. Durch Hochwasser wurde sie vernichtet.
1930
1930 trat die Lein zweimal über die Ufer.
30.05.1931
Große Regenmassen, so dass das Leintal wieder einmal überschwemmt war.
18.10.1941
Der auf dem Brechwasen aufgestellte Schlachtrockenturm wurde mit samt den Schläuchen von einem starken Sturm umgerissen. Die Schläuche wurden am anderen Tag aus
dem Hochwasser gefischt.
Am 18.10.1941 fand ebenfalls eine Übung am Gerät statt. Beim Schlauchlegen liessen die zwei Anwärter Geiger Bernhard und Eugen Schuster die Schlauchhaspel in den Küferbach fallen, da daß die Schläuche getrocknet werden mußten. Zu diesem Zweck war auf dem Brechwasen ein Schlauchtrockenturm aufgestellt. Derselbe wurde in der Nacht vom 18. Auf 19. Oktober mit den aufgehängten Schläuchen von dem starken Sturm umgerissen und mußte mit den Schläuchen am Sonntag früh aus dem Hochwasser herausgezogen werden.
17.08.1947
Der fünfjährige Bub, Winfried Wengert ertrank in der Lein.
18.01.1951
Schon am 18. Januar gab es das erste Gewitter des Jahres. Die Lein brachte wieder Überschwemmungen.
07.11.1952
Wieder einmal ist die Lein über die Ufer getreten, so daß die Notbrücke gänzlich unpassierbar wurde. Von Fußgängern wenigstens konnte die halbfertige, neue Brücke
benutzt werden.
28.11.1952
Am 28.11. wiederholte sich das Übel des Hochwassers. Das vierte Hochwasser am 20./21. Dezember. Somit mußte die neue, noch unfertige Brücke benützt werden, da die
Notbrücke beschädigt wurde.
1953
Im Sommer 5 Wochen Regen mit Wolkenbrüchen und großem Schaden. Der Sturm riß in Holzleuten sogar drei Heuschuppen um.
Hochwasser 1956- Menschenrettung
1956
Auszug aus dem Büchlein „Unterwegs mit Hermann Hägele", Einhorn-Verlag Eduard Dietenberger GmbH, Schwäbisch Gmünd
Die sonst so „stille" Lein konnte zu einem reißenden Strom werden, wenn Schneeschmelze und Frühjahrshochwasser zeitgleich einsetzten. Dann konnte das Flußbett die Wassermassen nicht mehr aufnahmen.
Ein Jahrhunderthochwasser entwickelte sich im März 1956.
Weite Teile der Flußaue wurden überschwemmt. Dem Leintal drohten immer wieder solche verheerenden Überschwemmungen, bis durch den Bau von Rückhaltebecken diese große Gefahr gebannt werden konnte.
In Heuchlingen ereignete sich bei diesem Hochwasser ein spektakulärer Unfall, bei dem zwei Menschen in große Gefahr gerieten, ihr Leben zu verlieren.
Durch die ansteigende Lein und dem sich ausbreitenden Hochwasser waren elektrische Leitungen der UJAG/Ellwangen beschädigt worden. Um die Stromversorgung der Bevölkerung zu gewährleisten, waren zwei Monteure der UJAG damit beauftragt, die Leitungen wieder in Ordnung zu bringen.
Mit einem schwimmbaren Untersatz, aus zwei Backtrögen und Brettern behelfsmäßig zusammengesetzt, versuchten die beiden Monteure, die im Wasser stehenden Freilandmasten zu erreichen und die Arbeiten daran auszuführen. Beim ersten Mast gelang dieses Unterfangen, doch bei dem Versuch, den zweiten Mast zu erreichen, wurde die Arbeitsplattform von der Strömung erfaßt und auf den Grund gerissen. Nachdem das Arbeitsfloß mit Stahltrossen an der Brücke gesichert gewesen war, blieb es an einem Strauch hängen. Die beiden Monteure konnten sich gerade noch an ihrem Floß festhalten, hatten aber keine Chance, das rettende Ufer zu erreichen. Beide standen nun in dem eiskalten und reißenden Fluß und mußten auf Hilfe warten.
Diese Hilfe wurde ihnen durch das Eingreifen eines beherzten Mitbürgers aus Leinzell zuteil, der mit einem Paddelboot unter eigener Lebensgefahr einen der beiden Monteure retten konnte.
Dem zweiten Mann mußte die Heuchlinger Feuerwehr zu Hilfe kommen.
Die schnell herbeigebrachte Feuerwehrleiter erwies sich als zu kurz, so daß sie durch ein weiteres Leiternstück verlängert werden mußte. Als dies endlich gelang, konnte auch der zweite Monteur aus dem strömenden Wasser herausklettern und den helfenden Händen entgegenkommen.
